Sonntag, 17. September 2017

Ich und die Menschen - Matt Haig

Ich muss ein paar Worte zu diesem Buch loswerden. Schließlich hat man nicht alle Tage ein Werk in der Hand, das recht normal daher kommt und einen dann völlig begeistert.


Ein Außerirdischer kommt auf die Erde und schlüpft in die Rolle des Menschen Andrew Martin, Professor für Mathematik. Die Umstände, warum das passiert, sind an dieser Stelle gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass der Außerirdische einer anderen Spezies angehört und mit Menschen bisher keine Berührungspunkte hatte. Er lernt sie also völlig neu und nur mit der Basis seines bisherigen Wissens, das ausschließlich aus Beobachtungen aus dem Weltraum besteht, kennen.

„Ich konnte es nicht fassen. Anscheinend hatte ich allein dadurch, dass ich keine Kleidung trug, das Gesetz gebrochen. Dabei war es sehr wahrscheinlich, dass die meisten Menschen wussten, wie ein nackter Mensch aussah.“ (S. 42)

„Wie ich jetzt weiß, müssen die Menschen Bücher lesen. Sie müssen sich buchstäblich hinsetzen und ein Wort nach dem anderen lesen. Das kostet Zeit. Viel Zeit.“ (S. 33)

Es ist einfach herrlich. Wie er Dinge, die für uns selbstverständlich sind, einfach nicht nachvollziehen kann. Wie er unseren gesamten Alltag hinterfragt und auf unsere Gewohnheiten reagiert.

„Meiner Schätzung nach waren zu jedem beliebigen Zeitpunkt nur null Komma drei Prozent der Menschen aktiv mit etwas beschäftigt, das ihnen gefiel, und selbst dann hatten sie ein schlechtes Gewissen dabei und schworen sich hoch und heilig, so bald wie möglich wieder etwas schrecklich Unangenehmes zu tun.“ (S. 290)

Und obwohl er Menschen für eine niedere Spezies hält, entscheidet er sich recht schnell, auf unserem Planeten zu bleiben und verteidigt das gegenüber der seinen. (Punkt für uns, oder? 😉)

„Tee schien alles besser zu machen. Er war ein aus Blättern gewonnenes Getränk, das heiß genossen wurde und in Krisenzeiten dazu diente, den Normalzustand wiederherzustellen.“ (S. 216)

„Mal ehrlich, dies war die Spezies, deren Hauptausrede für alles, was sie nicht taten, lautete: „Ja, wenn ich nur mehr Zeit hätte!“ Was so lange überzeugend war, bis man merkte, dass sie in Wirklichkeit mehr Zeit hatten. Keine Ewigkeit natürlich, aber sie hatten morgen.“ (S. 236)

Allein die Anzahl der Zitate sagt schon einiges aus und das sind bei weitem nicht alle Textstellen, die ich mir markiert habe. Ich kann euch wirklich nur ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Es ist großartig und ich habe herzlich lachen können.

„Das Pub war eine Erfindung von Menschen, die in England lebten, gedacht als Kompensation dafür, dass sie Menschen waren, die in England lebten. Es gefiel mir ziemlich gut.“ (S. 275)

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