Sonntag, 25. Juni 2017

Das warme Licht des Morgens - Franziska Fischer | Rezension

Titel: Das warme Licht des Morgens / AutorIn: Franziska Fischer / Verlag: Droemer / Erschienen: April 2017 / 
Einband: Taschenbuch / 382 Seiten / 9,99 Euro / ISBN 978-3-426-30547-8
Das warme Licht des Morgens bei Droemer Knaur


Das Licht, die Farben, der Ausdruck in den Augen Fremder – das sind die Zutaten, die Levi für seine Gedichte und Romane braucht. Doch als er bei einem Brand ein kleines Mädchen aus dem Feuer rettet und dabei sein Augenlicht verliert, bricht für den erblindeten Schriftsteller eine Welt zusammen. Nie wieder sehen bedeutet für ihn auch nie wieder die richtigen Worte finden. Verzweifelt zieht er sich immer mehr aus dem Leben zurück. Bis er eines Tages Rea kennenlernt, die neue Kellnerin in dem Café, in dem er immer Essen geht. Sie wird seine Vertraute, durch ihre Augen lernt er wieder sehen und mit ihren Händen schreiben. Auch sie hat mit einem großen Verlust zu kämpfen, der noch viel schwerer wiegt als seine Blindheit. Doch das verrät sie ihm nicht.

Levi ist Schriftsteller. Doch nachdem er sein Augenlicht verloren hat, kann er auch nicht mehr schreiben, denn er muss seine Worte sehen. Erst ganz langsam gewöhnt er sich an die neuen Lebensumstände.

„Für einen Schriftsteller gibt es nicht Schlimmeres als Worte, die er nicht loswerden kann.“ (S.7)

Von außen sieht „Das warme Licht des Morgens“ aus wie ein ganz normaler Roman, was ich in diesem Fall nicht ganz passend finde. Auch der Titel ist mir leider zu gewöhnlich für die doch eher ungewöhnliche Geschichte.

Franziska Fischer erzählt Levis Geschichte in einer sanften, sehr poetischen und ausdrucksstarken Sprache. Man wird nicht sofort gefesselt, sondern muss sich darauf einlassen und auf die leisen Töne lauschen, die Levi von sich preisgibt. Das gefiel mir sehr gut.

Levi ist ein ruhiger, in sich gekehrter Mann, der noch nicht weiß, wie er mit seinem Schicksal umgehen soll. Plötzlich ist alles ganz anders, schon der normale Alltag überfordert ihn, vom Schreiben ganz zu schweigen. Seine Tochter Robin kümmert sich um ihren Vater so gut es geht, doch sie besucht noch die Schule und hat nicht so viel Zeit. So tritt Rea dazu, der Levi immer mehr Vertrauen entgegenbringt, obwohl er sie nie sehen konnte und fast nichts über sie weiß.

„Deine Augen funktionieren nicht mehr, das bedeutet nicht, dass du nichts sehen kannst.“ (S.277)

„Das warme Licht des Morgens“ ist nach Monaten unterteilt und erzählt dadurch ganz langsam, wie Levi sich zurechtfindet und an das Leben ohne Sehen gewöhnt. Je ein Kapitel pro Monat gehört Robin. Aus ihren Erinnerungen erfährt man, was für ein Mensch Levi vor der Erblindung war. Die Handlung an sich schreitet nur gemächlich voran, denn das Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung Levis und den Emotionen der Charaktere.

Franziska Fischer ist ein unglaublich einfühlsamer Roman gelungen, in dem der Protagonist Levi neuen Lebensmut und -sinn findet. Im Vordergrund steht nicht die Liebesgeschichte, sondern die Entwicklung der Charaktere. Ein lesenswertes Buch!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hallo Leser/in!
Hier ist jede ehrliche Meinung willkommen :)
Spam, reine Link-Kommentare sowie Beleidigungen u.Ä. werden kommentarlos gelöscht.