Mittwoch, 26. April 2017

Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen - Abbi Waxman | Rezension

Titel: Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen / AutorIn: Abbi Waxman / Originalsprache: Englisch /
Originaltitel: The Garden of Small Beginnings / Verlag: Rowohlt / Erschienen: März 2017 /
Einband: Klappenbroschur / 364 Seiten / 9,99 Euro / ISBN 978-3-499-27276-9
Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen bei Rowohlt


Wer hat schon Lust, einen Gemüsegarten umzugraben? Lilian jedenfalls nicht. Sie hat mit ihrem Job, den beiden kleinen Töchtern und dem Kummer um ihren verstorbenen Mann genug zu tun. Danach fragt ihre Chefin jedoch nicht und meldet sie beim Gärtnerkurs eines wichtigen Kunden an. Der ist gar nicht mal so unsympathisch. Und Lilian ist verblüfft, was sie da auf dem Acker alles ausgräbt: Würmer, Lebensfreude, Baumwurzeln, Plastikfeen, Unkraut, Freunde, Radieschen, einen ziemlich großartigen Mann, und den Mut, sich neu zu verlieben …

Lilian, die nach dem Tod ihres Mannes alleinerziehend ist, landet eher unfreiwillig in einem Gärtnerkurs. Dadurch krempeln sich auf einmal Job, Alltag und Privatleben um, obwohl doch auch so schon jeder Tag seine Überraschungen und Probleme bereithielt.

„Wenn man tief genug in der Scheiße sitzt, kommt man eben schwer wieder heraus.“ (S.111)

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir etwas schwer. Anfangs erfährt man viel aus Lilians Alltag, der an sich recht normal aussieht, jedoch sehr ausführlich beschrieben wird. Bis die Handlung Fahrt aufnimmt, dauert es ein wenig. Dann fühlte ich mich aber sehr wohl.

Nach dem Verlust ihres Mannes ist Lilian emotional sehr am Boden und findet nur schwerlich wieder zu einer gewissen Lebensfreude zurück. Ihre Kinder halten sie quasi am Leben und auch ihre Schwester Rachel ist eine großartige Stütze. Nichtsdestotrotz begegnet Lilian ihrem Schicksal mit viel Sarkasmus und Selbstironie, was die Geschichte wunderbar auflockert.

Das macht auch Abbi Waxmans Schreibstil aus: Sie erzählt sehr humorvoll und sarkastisch, an den richtigen Stellen aber auch wunderbar einfühlsam. Dadurch ist das Buch sowohl von Leichtigkeit als auch Ernsthaftigkeit geprägt.

Alle Figuren und besonders die Teilnehmer des Gärtnerkurses zeichnen sich durch ihre Eigenheiten aus und wirken dadurch natürlich. Und obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sie doch eine Gemeinsamkeit – man schließt sie sofort ins Herz. Das Zusammenspiel aller ist einfach schön zu lesen!

Zwar passt das Cover nicht so recht zum Handlungsort Los Angeles, jedoch hervorragend zur Thematik Gärtnern. Auch im Buch hat man sich etwas einfallen lassen: Zwischen den Kapiteln finden sich kleine Anleitungen und Tipps rund um die Pflege eines Gartens.

Schon im Klappentext wird deutlich, dass es sich hier nicht um eine klassische Liebesgeschichte handelt. Ja, Liebe spielt eine Rolle, aber es geht um so viel mehr. Dass das Leben immer weitergeht, Selbstfindung und -verwirklichung, Rückfindung in den Alltag und ganz besonders Lebensfreude. Der Autorin ist hier eine wirklich schöne Geschichte gelungen, die auf den ersten Blick recht gewöhnlich daherkommt, aber doch so viel tiefer geht und zumindest bei mir noch eine Weile nachhallt.

"Gegen Liebe ist kein Kraut gewachsen" ist ein toller (Frühlings-)Roman! Abbi Waxman konnte mich mit ihrem Schreibstil und den liebevoll gezeichneten Charakteren überzeugen. Gartenliebhaber sollten hier nicht zögern.

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