Montag, 5. Dezember 2016

Dem Horizont so nah | Rezension

Dem Horizont so nah beim Rowohlt Verlag


Jessica ist jung, genießt das Leben und schaut in eine vielversprechende Zukunft. Dann trifft sie Danny. Sofort ist sie von ihm fasziniert, denn trotz seines guten Aussehens und selbstbewussten Auftretens scheint ihn ein dunkles Geheimnis zu umgeben.
Nach und nach gelingt es Jessica, hinter Dannys Fassade zu blicken und ihn kennenzulernen. Abgründe tun sich auf: Danny ist von Kindheit an zutiefst traumatisiert. Fernab von Heimat und Familie kämpft er um ein normales Leben.
Trotz aller Schwierigkeiten und gegen jede Vernunft entsteht zwischen Jessica und Danny eine innige Liebe. Doch nicht nur Dannys Vergangenheit ist düster, auch seine Zukunft ist bereits gezeichnet. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit …

Ich sage es gleich vorweg, die Rezension zu diesem Buch fällt mir sehr schwer. Trotz dass nun schon ein bisschen Zeit verstrichen ist, seit ich es gelesen habe, beschäftigt mich die Geschichte noch immer und ich bin zwiegespalten, was ich von dem Roman halten soll.
Jessica Koch erzählt keine fiktive Geschichte, die Story beruht auf wahren Gegebenheiten und geht einem genau deshalb besonders nahe. Bei einem fiktiven Buch hätte ich gesagt, die Themen und Schicksale sind zu viel, zu krass, aber die Tatsache, dass eben doch alles wirklich passiert ist, macht es so schwer verdaulich.

Zunächst lassen die äußere Gestaltung des Buches und der Klappentext auf eine eher normale Liebesgeschichte schließen, wie sie in unzähligen Varianten bereits in der Buchhandlung steht. Eine kleine Vorwarnung, dass es hier äußert ernst zugehen wird, wäre wirklich gut gewesen. Leider beginnt die Geschichte auch mit dem sehr klischeehaften Kennenlernen von Danny und Jessica. Dazu fehlte mir dann aber die passende Atmosphäre, das Knistern. Insgesamt wirkte das Geschehen am Anfang sehr platt und berichtartig auf mich, dadurch konnte ich mich auch nur schwer in die Personen hineinversetzen.

Je besser man die Personen kennenlernt, desto spannender wird die Geschichte. Nach und nach lichtet sich das Dunkel um Dannys Vergangenheit und diverse Tabu-Themen der Gesellschaft kommen zur Sprache. Verwoben mit dem realen Schicksal von Danny gelingt Jessica Koch damit ein Buch, das viel Aufklärungsarbeit leistet und persönliche Einblicke erlaubt. Ich bin noch immer schockiert über die Reaktionen und Taten einzelner Leute in der Geschichte und den Fakt, dass so etwas auch heute noch jeden Tag passiert. Wer nach diesem Buch anderen Menschen mit Vorurteilen und Ablehnung begegnet, hat die wichtigste Botschaft der Geschichte eindeutig verpasst!

Dass die Geschichte wohl eher ohne Happy End auskommen muss, wird relativ schnell deutlich, aber ich möchte hier nicht zu viel verraten. Unabhängig davon kann ich dem Buch als Roman dennoch nicht viel abgewinnen. Dafür fehlte mir während der gesamten Zeit eine gewisse Zugänglichkeit und Nahbarkeit zu den Personen und etwas mehr beschönigende Fiktion (denn ich denke, zum Teil trifft das sicherlich schon zu), vor allem für des Geschehen drumherum. Aber vielleicht muss es in diesem Fall genau so sein, damit die Leser auch wirklich erreicht werden und ins Nachdenken geraten, was bei mir definitiv passiert ist.


Jessica Koch verarbeitet in „Dem Horizont so nah“ die sehr persönliche Geschichte, die sie in ihrer Jugendzeit mit Danny erleben durfte. In Folge seiner schweren Vergangenheit kommen einige Tabu-Themen zur Sprache, die aus der Perspektive der Betroffenen aufgearbeitet werden. Die Umsetzung in Romanform weist in meinen Augen einige Schwächen auf.

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