Sonntag, 17. Juli 2016

Nur drei Worte | Rezension

Anfangs hatte ich „Nur drei Worte“ gar nicht so sehr auf dem Schirm. Insbesondere die Buchvorstellung beim Carlsen-Bloggertreffen auf der Buchmesse hat mich dann aber doch neugierig gemacht und ich dachte mir, warum nicht?

Nur drei Worte beim Carlsen Verlag


Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.

„Nur drei Worte“ erzählt die Geschichte von Simon und Blue, zwei schwule Jugendliche, die sich zunächst nur über anonyme Mails kennenlernen. Simon ist dabei der Hauptprotagonist, mit dem der Leser den Alltag erlebt und versucht, das Rätsel um Blues Identität zu lüften.

Wie man manchmal die Gesten eines Menschen auswendig weiß, aber nie seine Gedanken kennt. Und das Gefühl, dass Menschen wie Häuser mit riesengroßen Zimmern und winzigen Fenstern sind. (S. 24)

Becky Abertalli schreibt nicht nur aus Simons Perspektive, sondern auch genau so, wie Simon denkt und spricht. Das liest sich im ersten Moment etwas ungewohnt, aber man findet sich schnell rein. Das Buch ist also sowohl inhaltlich als auch sprachlich auf die Zielgruppe Jugendliche ausgerichtet.  

Simon ist eigentlich ein ganz normaler Highschool-Schüler, wäre da nicht die Tatsache, dass er schwul ist und es noch keiner weiß. Er wirkt sehr echt und authentisch, weil er sich nicht verstellt, sondern versucht, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen.
Im Laufe der Geschichte erfahren die anderen Protagonisten von seiner Sexualität und die Reaktionen sind natürlich verschieden. Ohne zu viel verraten zu wollen, muss ich sagen, dass das Outing für meinen Geschmack etwas zu harmonisch aufgenommen wurde. Eine ernsthafte negative Reaktion blieb aus. Vielleicht wollte die Autorin damit Lesern in einer ähnlichen Situation Mut machen, aber für mich wirkte das leider ein wenig unrealistisch.

Spannungsaufhänger der Geschichte ist die Frage nach der Identität Blues, von dem Simon nur weiß, dass er auf dieselbe Highschool geht wie er. Kleine Einblicke in den Mailverlauf der beiden lockern das Buch schön auf.
Am Ende muss ich sagen, dass ich die vor Begeisterung übersprudelnden Meinungen zu „Nur drei Worte“ nicht ganz nachempfinden kann. Im Prinzip ist das Buch ein ganz normaler Jugend-Liebesroman, nur dass die Hauptfiguren eben homosexuell sind.


„Nur drei Worte“ ist eine süße Liebesgeschichte mit zwei schwulen Protagonisten, die ihre Identitäten erst lüften müssen. Das Buch ist wunderbar jugendlich verfasst und punktet mit einem tollen Hauptcharakter. Wer gern mal abseits der stereotypen heterosexuellen Paare lesen möchte, ist hier auf jeden Fall richtig. Insgesamt fehlte mir aber einfach das Herausragende, wirklich Besondere.

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