Donnerstag, 25. Februar 2016

Ein letzter Brief von dir | Rezension

Bereits im letzten Jahr hatte ich geplant, "Ein letzter Brief von dir" entsprechend seiner Thematik rund um den Valentinstag zu lesen. Ihr könnt es euch sicher denken, das ist mir irgendwie nicht gelungen. Weil das Valentinswochenende dieses Jahr das erste Wochenende nach meinen Prüfungen war und ich endlich wieder lesen wollte, habe ich die Gelegenheit aber ergriffen.
Konnte mir das Buch den Valentinstag versüßen?

Ein letzter Brief von dir beim Rowohlt Verlag


Als Orla am Valentinstag einen Brief von ihrem Freund erhält, rechnet sie fest mit dem lang ersehnten Heiratsantrag. Doch bevor sie den Umschlag öffnen kann, kommt der schreckliche Anruf: Simon ist in London auf der Straße zusammengebrochen. Er ist tot.
Orla steht unter Schock. Wie soll sie weiterleben ohne Sim? Und warum rät ihr sein bester Freund so eindringlich, die Valentinskarte nicht zu öffnen? Orla war doch Sims große Liebe. Und er ihre.
Als Orla krank vor Kummer nach London reist, um mehr über Sims letzte Tage zu erfahren, wird ihr klar, wie wenig sie ihren Freund kannte. Und noch bevor sie die Valentinskarte öffnet und seine letzten Worte liest, ist sie selbst ein anderer Mensch geworden …


Von einem Buch, das den Valentinstag zum Thema hat, erwartet man eine zuckersüße Liebesgeschichte. Viel Tamtam, rosa Herzen und Schmetterlinge im Bauch. Dass "Ein letzter Brief von dir" eine etwas andere Geschichte aufweist, ist von Beginn an klar.

Ich nehme das Fazit schon mal vorweg: Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass mir das Buch durchaus gefallen hat. Dennoch muss ich im Folgenden viel Kritik anbringen.

Bei dem Versuch, Orla zu beschreiben, fällt mir ehrlich gesagt nicht viel ein. Ähnlich sieht es bei den anderen Personen aus. Leider blieben sämtliche Charaktere für mich zu blass. Obwohl viel Potenzial da gewesen wäre, beschränkten sich die Beschreibungen meist auf Oberflächlichkeiten. Selten ging es in einer Weise um Gefühle, die der Leser nachempfinden kann.

Da die Geschichte mit dem Tod von Sim beginnt, sollte es im Verlauf doch eigentlich darum gehen, wie Orla damit abschließt und langsam wieder ins Leben zurückfindet. Doch schon die erwartete tiefe Traurigkeit und das Vermissen kommen mir am Anfang zu kurz.
Im Folgenden fand ich die Geschichte ungünstig konstruiert, denn es entsteht nicht der Eindruck, als könnte Orla sonderlich gut von Sim loslassen, was sicherlich unter anderem daran liegt, dass sie immer wieder neue Dinge über ihn erfährt und Seiten von ihm entdeckt, die sie vorher gar nicht kannte.

"Gelebt zu haben, ohne je gekannt worden zu sein, schien Orla der schlimmste Streich, den einem das Schicksal spielen konnte." (S. 390)

Ein weiteres Kriterium, warum ich nicht so recht in die Geschichte hineinfinden wollte, ist die seltsame Art der Autorin, hin und her zu springen. Einerseits beginnen die Kapitel mit einem Auszug aus Sims Tagebuch, was mir sehr gut gefallen hat. Innerhalb des normalen Textes finden aber immer wieder Rückblenden statt, die Orla in Gedanken durchlebt. Dabei war mir häufig nicht ganz klar, wann der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit stattfand, ich kam durcheinander und las wiederholt Abschnitte mehrfach, um die Grenze zu finden. Zum Glück werden diese Rückblenden im Verlauf der Geschichte weniger, dadurch aber noch schwerer zu erkennen, wenn es sie plötzlich doch wieder gibt.

Am Ende weiß ich leider nicht, was die Autorin mit dieser Geschichte eigentlich vermitteln wollte. Dass es am Ende jeden Tunnels ein Licht gibt? Warum dann das Thema Valentinstag? Zu diesem gibt es letztlich auch keine klare Positionierung, weder von denen, die ihn lieben, noch von denen, die ihn nicht leiden können.
Trotz allem hat mir "Ein letzter Brief von dir" ein paar angenehme Lesestunden beschert und ich werde es in positiver Erinnerung behalten.

"Ein letzter Brief von dir" ist keine tiefsinnige Lektüre, bietet aber eine nette Auszeit vom Alltag und kann trotz einiger Schwächen insgesamt gut unterhalten. Das Thema Valentinstag bildet aus meiner Sicht nur einen Rahmen für die Geschichte, deshalb kann das Buch getrost zu jeder anderen Zeit gelesen werden. Ich kann allerdings leider keine klare Leseempfehlung aussprechen.

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