Dienstag, 24. Juni 2014

{Rezension} Bäume reisen nachts - Aude Le Corff


Seit Monaten verbringt die achtjährige Manon ihre Nachmittage allein, unter einer riesigen Birke im Garten. Sie verschlingt ein Buch nach dem anderen und spricht mit Ameisen und Katzen, nur um an eines nicht denken zu müssen: das spurlose Verschwinden ihrer Mutter. Mit dem eigenen Kummer beschäftigt, vermögen Manons Vater Pierre und ihre Tante Sophie das stille Mädchen nicht zu trösten. Doch Manons Einsamkeit erweicht das Herz des mürrischen Nachbarn Anatole, der, seitdem er nicht mehr unterrichtet, sich von Kindern möglichst fernhält. Sie beginnen, gemeinsam den Kleinen Prinzen zu lesen, und es erwächst eine außergewöhnliche Freundschaft. Als eines Tages überraschend Briefe der Mutter eintreffen, schmieden das Mädchen und der alte Mann einen kühnen Plan, der sie gemeinsam mit Pierre und Sophie auf eine abenteuerliche Reise quer durch Europa führt …

 
Recht schlicht zieren drei Blätter das Cover von "Bäume reisen nachts". Ein Mann, eine Frau, ein Mädchen, eine Katze. Nur ihre Silhouetten sind sichtbar. Was mag sich wohl für eine Geschichte dahinter verbergen?

Seit dem plötzlichen Verschwinden ihrer Mutter, lebt Manon in sich zurückgekehrt. Erst der pensionierte Nachbar Anatole schafft es, zu ihr durchzudringen. Als Briefe der Mutter eintreffen, beginnt eine überstürzte Reise, in deren Verlauf langsam mehr über die Protagonisten bekannt wird. Werden sie Manons Mutter finden?
 

Die kleine Manon wird einem gleich zu Beginn der Geschichte sympathisch. Die anderen Protagonisten lernt man dann eher während der Reise kennen, die von gedanklichen Rückblenden der einzelnen Figuren unterbrochen ist. So erfährt man sozusagen aus erster Hand, wie sie zu dem Menschen geworden sind, der einem im Laufe der Handlung begegnet. Es wird viel nachgedacht und reflektiert. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit sich, völlig verschiedene Personen treffen aufeinander, die nur ein gemeinsames Ziel verbindet. Die Ausarbeitung der einzelnen Charaktere gelingt der Autorin an dieser Stelle sehr gut.
Es gibt jedoch eine Person, über die man während der gesamten Geschichte kaum etwas erfährt: Manons Mutter. Zunächst werden bruchstückhafte Informationen durch die anderen Personen geliefert, dann etwas mehr, als ihre Briefe eintreffen. Es gelang mir jedoch nie, ein wirkliches Bild von ihr zu bekommen.

Die Zusammenstellung der Figuren wirkt trotz ihrer Ungewöhnlichkeit realistisch. Das Aufeinandertreffen von gleich drei Generationen schafft eine interessante Atmosphäre, in der viel nachgedacht und hinterfragt wird. Dadurch zieht sich die Reise fast über das gesamte Buch.
Für das Ende wird kaum Platz eingeräumt. Die Ereignisse überschlagen sich, ich kam gedanklich fast nicht mehr hinterher. Das lag zum einen daran, dass so wenig über Manons Mutter bekannt war. Zum anderen wurde die Situation für mich nicht ausreichend erklärt. Ich hatte das Gefühl, die Geschichte sollte möglichst schnell und sauber ein Ende finden. Ein Ende, dass ich nur schwer, wenn denn überhaupt, nachvollziehen kann.

Zum Schluss bleibt mir die Frage, warum keine professionelle Hilfe gesucht wurde. Zunächst für Manons Mutter, bevor sie verschwand, später für Manon selbst und ihren Vater. Vielleicht gerade weil es ihnen anfangs so schlecht ging, kann ich die schnelle Besserung und das Ende kaum verstehen.

Aude Le Corff hat bewiesen, dass sie hervorragend Charaktere erschaffen kann. Das Drumherum wurde in meinen Augen leider vernachlässigt, ein paar mehr Seiten und Erklärungen hätten der Geschichte sicher nicht geschadet.

 Ich vergebe 3 Lesebändchen für diese durchaus berührende Geschichte. Es treffen interessante und völlig verschiedene Charaktere aufeinander, die verschiedenste Sichtweisen auf das Leben und die Menschen aufzeigen. Leider wurde am Ende mit Erklärungen gespart, dennoch ist das Buch lesenswert.

Kommentare:

  1. Deine Rezi klingt gut, aber irgendwie kann es mich dann nicht soo sehr überzeugen, wie am Anfang.

    LG Piglet ♥

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    1. So stehe ich auch zum Buch: Es hat wirklich gute Ansätze, aber in der Umsetzung fehlt mir irgendwas.

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  2. Schließlich habe ich gelesen, was ich wollte. Ich bin so froh.

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