Dienstag, 7. Januar 2014

{Rezension} In einem Boot


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Grace ist frisch verheiratet mit Henry Winter, einem jungen Mann aus reichem Hause, als sie sich am Vorabend des ersten Weltkriegs auf der Zarin Alexandra einschifft. Doch nach einer mysteriösen Explosion sinkt der Ozeandampfer, und Henry erkauft seiner Frau einen Platz in einem Rettungsboot.
Den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert, treibt das überladene Boot wochenlang auf offener See. In einer Atmosphäre aus Misstrauen und unterdrückter Aggression stellen sich existentielle Fragen.

Sollen die Stärkeren sich opfern, damit die Schwächeren überleben können? Oder besser umgekehrt? Wer darf das entscheiden? Und sitzt Grace überhaupt zu Recht in diesem Boot?
Grace überlebt die Katastrophe, findet sich aber Wochen später vor einem Gericht in New York wieder. Die Anklage lautet auf Mord.  

Getrieben vom eigenen Überlebenswillen sind Menschen in der Lage, Außerordentliches zu vollbringen. So auch Grace Winter, die nach einem Schiffsunglück mit knapp 40 anderen Passagieren "In einem Boot" sitzt. Nach anfänglicher Hoffnung auf eine schnelle Rettung müssen sie schnell einsehen, dass sie wohl längere Zeit auf sich allein gestellt sind. Wie sollen sie überleben, haben sie doch nichts als ihre Kleider am Leib? Hunger und Durst stehen auf dem Tagesplan und ebenso eine zunehmend angespannte Atmosphäre. Das Boot ist überladen, zu viele Menschen sind an Bord. Müssen sich einige opfern, damit andere leben können?

Das Buchcover zeigt uns die Situation des Bootes: Allein auf dem großen, weiten Ozean, den Naturgewalten ausgeliefert. Dazu die Farben: Immerwährende Grün- und Blautöne, ein wenig Weiß in den aufschäumenden Wellen. Welch unbedeutende Rolle das Boot doch im großen Ganzen spielt!

Das Prolog handelt von Grace, die nach der Rettung des Bootes im Gefängnis sitzt. Ihre Anwälte raten, alles Erlebte in einer Art Tagebuch festzuhalten und diese Erzählung bildet den Hauptteil des Buches. Grace schildert die wichtigsten Ereignisse der einzelnen Tage auf See und beurteilt das Verhalten der Passagiere im Vorausblick auf das zukünftige Geschehen.
Kurz nach dem Mord, für den sie schließlich angeklagt wird, hören Grace' rückblickende Einträge auf und im Folgenden erfährt der Leser von ihrem Aufenthalt im Gefängnis sowie letztendlich dem Gerichtsurteil. Erst danach wird berichtet, wie die Rettung des Bootes denn nun erfolgte. Meiner Meinung nach zu spät, denn die Haupthandlung ist abgeschlossen. Ich habe diesen Teil eigentlich nur gelesen, um das Buch zu beenden. Der anschließende Epilog war allerdings wieder sinnvoll.

Mit den Personen bin ich im Allgemeinen zufrieden. Besonders Mrs Grant und Mr Hardie hatten einen ausgeprägten, gut verdeutlichten Charakter. Grace hingegen... Ihre Gedanken waren zwar gut dargestellt, sie selbst wirkte für mich aber eher wie eine Beobachterin des Geschehens und nicht wie ein Teil davon. Vielleicht liegt das an ihrer rückblickenden Erzählweise. Die Wirkung des Geschehens auf den Einzelnen wurde mir nicht stark genug herausgearbeitet.

Grace' Erzählweise erlaubt es, bereits im Buch Antworten auf die existenziellen Fragen im Boot zu suchen. Indem Grace reflektiert, versucht sie zu ergründen, warum die Passagieren so handelten, wie sie handelten. Damit denkt der Leser selbst nicht allzu viel nach. Es müssen keine Antworten mehr gefunden werden, weil das Buch sie bereits liefert. Andernfalls wären manche Fragen aber vielleicht gar nicht zur Sprache gekommen, deshalb ist die von der Autorin gewählte Form durchaus in Ordnung.

Ein Buch, das beeindruckend von einer Grenzsituation berichtet. Es wirft Fragen auf und stellt Anworten zur Verfügung, an den Leser werden keine hohen Erwartungen gestellt. Besonders überzeugt hat mich die Idee der Geschichte, an der Umsetzung könnte man arbeiten.

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