Montag, 16. September 2013

{Rezension} Ich. darf. nicht. schlafen.


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Ohne Erinnerung sind wir nichts. Stell dir vor, du verlierst sie immer wieder, sobald du einschläfst. Dein Name, deine Identität, die Menschen, die du liebst – alles über Nacht ausradiert. Es gibt nur eine Person, der du vertraust. Aber erzählt sie dir die ganze Wahrheit?

Als Christine aufwacht, ist sie verstört: Das Schlafzimmer ist fremd, und neben ihr im Bett liegt ein unbekannter älterer Typ. Sie kann sich an nichts erinnern. Schockiert muss sie feststellen, dass sie nicht Anfang zwanzig ist, wie sie denkt – sondern 47, verheiratet und seit einem Unfall vor vielen Jahren in einer Amnesie gefangen. Jede Nacht vergisst sie alles, was gewesen ist. Sie ist völlig angewiesen auf ihren Mann Ben, der sich immer um sie gekümmert hat. Doch dann findet Christine ein Tagebuch. Es ist in ihrer Handschrift geschrieben – und was darin steht, ist mehr als beunruhigend. Was ist wirklich mit ihr passiert? Wem kann sie trauen, wenn sie sich nicht einmal auf sich selbst verlassen kann? 


Vor einiger Zeit habe ich dieses Buch in der Buchhandlung gesehen und war gleich vom Cover, bzw. in diesem Fall eher dem Titel fasziniert. Aber gut genug, um es gleich zu kaufen, erschien es mir wohl nicht. Dafür gibt es ja zum Glück Büchereien. Der Titel gefällt mir auch nach wie vor sehr gut und ist hier auch viel spannender gewählt als im Englischen, wie ich finde. Das kalte blau ist natürlich hervorragend für einen Thriller, weil es so eine langsam kriechende Kälte verbreitet. Was der Schmetterling allerdings auf dem Cover zu suchen hat, ist mir ein Rätsel...

Es gibt drei Teile im Buch, was ich wirklich gut fand und besonders der dritte Teil, in dem die Schreibweise zwischen den Tagebucheinträgen und der Gegenwart wechselt, war äußerst interessant zu verfolgen. Nach und nach ergibt alles einen Sinn und klärt sich langsam auf, aber da Christine sich selbst ja nicht an das Verfassen der Tagebucheinträge erinnern kann, bleibt die Spannung die ganze Zeit erhalten und man erfährt praktisch gleichzeitig mit ihr alle Zusammenhänge.

Es gab nur wenige Personen in der Geschichte, was aber absolut ausgereicht hat, zumal alle sehr gut ausgearbeitet waren. Jeder hatte seine eigene Persönlichkeit, jeder seinen Platz. Die Situation von Christine ist natürlich sehr interessant und man möchte unbedingt, dass sie sich an alles erinnern kann. Es muss ein furchtbares Gefühl zu sein, nicht zu wissen, wem man trauen kann, weil man seine Mitmenschen, obwohl man jeden Tag mit ihnen zusammen ist, eigentlich gar nicht wirklich kennt.

Ich bin von der Idee der Geschichte total begeistert, erst recht, weil es S. J. Watson geschafft hat, sie so realistisch und nachvollziehbar rüberzubringen. Eigentlich ist die Bezeichnung "Thriller" meiner Meinung nach nicht ganz passend. Zwar ist bekannt, dass es in der Vergangenheit ein Verbrechen gab, aber das gewinnt erst gegen Ende wirklich an Bedeutung, wenn Christine tatsächlich in Gefahr ist. Zuvor ist es eher eine Art Psychoroman, in der die Protagonistin mit ihrer eigenen Psyche umzugehen versucht.

Ein bisschen gemein fand ich, dass das Ende zum Teil offen bleibt. Ich hätte gerne gewusst, wie es nun weitergeht, aber das sollte wohl einfach nicht sein...


Ein hervorragender Psychoroman mit überzeugender Story, den man lieber nicht vor dem Einschlafen lesen sollte.

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